Vor Kurzem haben wir den ersten Geburtstag unserer Tochter gefeiert. Eine große Feier war geplant – nicht nur für sie, sondern auch für uns als Eltern. Ein Jahr Elternsein! Das wollten wir mit Freunden feiern, voller Stolz auf das, was wir gemeinsam geschafft haben. Und dann? Tja, die Realität sah etwas anders aus: Meine Tochter wollte die ganze Feier über partout nicht auf meinen Arm.
Bevor ich Mutter wurde, hatte ich keine Ahnung, wie sehr es schmerzen kann, vom eigenen Kind abgelehnt zu werden. Unsere Gesellschaft malt ja gerne das Bild der Mutter als Inbegriff von Geborgenheit und Sicherheit – und auch wenn ich diese Rollenbilder kritisch sehe, ertappe ich mich doch immer wieder dabei, wie ich ihnen nacheifere. Wer mich kennt, weiß: Ich bin nicht von Natur aus die immerzu sanftmütige, geduldige Mutter. Und genau deshalb habe ich mich im letzten Jahr oft gefragt: Bin ich eigentlich gut genug?
Diese Zweifel begannen schon mit unserer Entscheidung zur Elternzeit: sechs Monate ich, sechs Monate mein Mann. Jedes Mal, wenn ich das erzählte, kam eine überraschte Reaktion. Klar, meist war sie positiv gemeint – aber sie ließ mich trotzdem nachdenken. Sollte ich als Mutter nicht alles stemmen? Ist das nicht die unausgesprochene Erwartung?
Mein starkes Bedürfnis nach Autonomie und die Balance zwischen Muttersein und meinem eigenen Ich – durfte ich mir das überhaupt erlauben? Während andere Mütter scheinbar ganz in ihrer neuen Rolle aufgingen, stellte ich mir ständig Fragen:
- Darf ich mir regelmäßigen Sport gönnen?
- Ist es egoistisch, nach fünfeinhalb Monaten abzustillen, weil es mich nur noch frustrierte?
- Ist es seltsam, dass mein Kind mich nicht "erfüllt" und ich Zeit für mich brauche?
Rückblickend bestand mein erstes Jahr als Mutter vor allem aus einem inneren Konflikt – zwischen dem, wie ich bin, und dem, wie ich dachte, dass ich sein müsste. Ein ständiges Hin und Her.
Und dann kam die Autonomiephase meiner Tochter. Und mit ihr eine bittere Erkenntnis: Sie bevorzugte nicht mich, sondern meinen Mann. Und das tat weh. Besonders an ihrem Geburtstag, einem Tag, den ich mir so besonders vorgestellt hatte. Ich wollte ihn mit ihr feiern – aber sie wollte nicht bei mir sein.
Plötzlich war da wieder dieser Gedanke: Was habe ich falsch gemacht? Bin ich nicht liebenswert genug? Die Enttäuschung wuchs, und irgendwann suchte ich Trost bei ChatGPT (ja, wirklich!). Ich wollte wissen, was mir diese Situation lehren sollte. Und die Antwort hat mich nachhaltig geprägt.
Was ich gelernt habe: ✅ Kontrolle loslassen: Alles hat seine Zeit – auch meine als Mutter. ✅ Bedingungslose Liebe: Ich übe, meine Mutterliebe nicht an ihrer Bestätigung zu messen. ✅ Mein Selbstwert ist nicht an eine Rolle gebunden. ✅ Grenzen erkennen: Ich bin immer noch ich – und darf es auch bleiben.
Es klingt vielleicht simpel, aber diese neue Perspektive hat mich noch an diesem Abend aus meinem Stimmungstief geholt.
Mein Kind liebt mich, auch wenn es sich nicht immer so zeigt. Ich bin eine gute Mutter, auch wenn ich nicht in jedes Klischee passe. Und egal, wie herausfordernd es manchmal ist: Leiden existiert – aber das Überwinden des Leidens führt zur Befreiung.
Danke, dass du so offen deine Erfahrungen mit uns teilst! Es ist so erfrischend Einblicke ins „Real Life“ zu bekommen!
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