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Ich liebe mein Kind – aber ich vermisse mich

Es gab eine Phase in der Beziehung zu meinem Mann, noch vor unserer Tochter, die stark von einem plötzlich eintreffenden Kinderwunsch geprägt war. Uns war beiden bewusst, wie viel Verantwortung auf uns zukommt – besonders mit Blick auf unsere eigenen Kindheitserfahrungen und Traumata. Was mir jedoch damals noch nicht klar war, war die Einsamkeit, die sich einschleichen würde, und die neu aufkeimende Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit.

Ich hatte schon so viel erlebt, war viel gereist, hatte eine intensive Feierphase hinter mir. Ich dachte, ich wäre bereit für dieses neue Kapitel. Bereit, meine „alte“ Art wie eine weite Biker-Jacke abzulegen und stattdessen ein engeres Korsett zu schnüren – bereit für die Veränderung, für die Verantwortung, für die Einschränkungen, die mit dem Muttersein einhergehen.

Doch nach einem Jahr, mit abgeschlossener Kita-Eingewöhnung und einer neuen Routine zwischen Job, Kita und Alltag, spüre ich eine unglaubliche Sehnsucht nach Freiheit, Abwechslung und Abenteuer. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich mit Melancholie an alte Erinnerungen zurückdenke und dieser Zeit schon fast hinterhertrauere.

Diese Sehnsucht kollidiert mit meiner aktuellen Lebensphase – und das führt zu einer Unzufriedenheit, die sich auch in meiner Partnerschaft widerspiegelt. Gedanken wie „War es das schon?“, „Sollte unsere Beziehung nicht aufregender sein?“ oder „Ist unsere Beziehung eingeschlafen – und wacht sie überhaupt jemals wieder auf?“ schleichen sich ein. Und wie das oft so ist: Diese Unzufriedenheit führt zu Diskussionen, die ins Leere laufen.

Aber sind diese Diskussionen überhaupt sinnvoll, wenn mir selbst noch nicht ganz klar ist, woher meine Unzufriedenheit wirklich kommt? Nach meinen Erfahrungen der letzten Tage: Nein.

Ja, ich bin Mutter – aber das bedeutet nicht, dass mein früheres Ich mit all seinen Wünschen und Bedürfnissen plötzlich stillgelegt ist. Wofür habe ich meine 20er genutzt, wenn all die Erkenntnisse und Erfahrungen mit dem Muttersein auf einmal obsolet werden? In der Theorie klingt es logisch, dass auch Mütter sich selbst nicht aus den Augen verlieren sollten. In der Praxis sieht es oft anders aus: Plötzlich dreht sich alles um das Kind, und die eigenen Bedürfnisse geraten in den Hintergrund – oder sind einem gar nicht mehr bewusst.

Falls du dich in dieser Unzufriedenheit wiedererkennst und dich fragst, ob „das schon alles war“, dann stelle dir einmal folgende Fragen:

  • Welche Gedanken oder Gefühle tauchen immer wieder auf?
  • Was vermisse ich am meisten und wonach sehne ich mich gerade wirklich?
  • Welche Erwartungen an mich selbst setzen mich unter Druck, und welche alten Glaubenssätze halten mich davon ab, mein Bedürfnis ernst zu nehmen?
  • Was ist der nächste kleine Schritt, um mein Bedürfnis zu erfüllen?

Diese Fragen haben mir geholfen, den Fokus weg von meiner Partnerschaft hin zu meiner eigenen Gefühlswelt zu lenken. Mein erster kleiner Schritt bestand darin, mich an einem Sonntagmorgen in ein neues Café zu setzen, mit einem Cappuccino vor mir – und diesen Blogeintrag zu schreiben. Ein Moment nur für mich. Ein Schritt zurück zu mir selbst.

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